So erkennen wir echte Trends in Wettquoten
Wettquoten bewegen sich ständig. Aber nicht jede Bewegung ist ein Trend. Eine Quote kann um 2 Prozentpunkte fallen und trotzdem nur Rauschen sein — wenn sie vorher tagelang seitwärts lief und dann einmal gesprungen ist. Unser Trend-Score erkennt den Unterschied.
Die Formel
Beide Faktoren werden multipliziert. Das heißt: wenn einer der beiden schwach ist, ist der gesamte Score niedrig — egal wie stark der andere ist.
Bewegung (move_pp) — Wie stark hat sich die Markt-Einschätzung verändert? Gemessen in Prozentpunkten der Implied Probability (1 / Quote). Eine Quote die von 2.00 auf 2.20 steigt, hat sich um 4.5 Prozentpunkte bewegt. Alles unter 1pp wird ignoriert — das ist normales Marktrauschen.
Die Bewegung wird über den Theil-Sen-Schätzer berechnet — ein robustes statistisches Verfahren. Statt einfach den ersten und letzten Wert zu vergleichen, berechnet er die Steigung zwischen jedem möglichen Paar von Messpunkten und nimmt den Median. Das macht ihn resistent gegen Ausreißer.
Warum ist das wichtig? Wenn ein Spiel zum ersten Mal bei den Buchmachern auftaucht, schwanken die Quoten oft stark — die Bookies stellen ihre Anfangspreise ein und korrigieren sich gegenseitig. Diese Anfangsschwankung hat nichts mit einem echten Trend zu tun. Der Theil-Sen ignoriert diese wenigen extremen Ausreißer automatisch, weil der Median der hunderten normalen Steigungen sich nicht davon verschieben lässt. Gleichzeitig werden echte Marktshifts (z.B. durch Verletzungen) korrekt erfasst, weil sie alle nachfolgenden Datenpunkte dauerhaft verschieben.
Konsistenz — Ist die Bewegung stetig passiert oder war es ein Sprung? Wir teilen den Zeitraum in 6-Stunden-Fenster und prüfen: ging es in jedem Fenster weiter in dieselbe Richtung? 90% heißt: fast durchgehend. 30% heißt: hin und her, am Ende zufällig woanders gelandet.
Score-Skala
Kein echter Trend. Entweder hat sich wenig bewegt, oder der Weg war chaotisch. Typische Ursache: eine Verletzungsmeldung hat die Quote einmal verschoben, dann ging sie wieder zurück. Oder die Quote pendelt seit Tagen seitwärts und ist zufällig am Ende etwas anders.
Beispiel: 2.0% × 30% = 0.6
Echte Bewegung, aber nicht dominant. Entweder war der Move klein aber sauber (1.5% × 80% = 1.2), oder der Move war groß aber unruhig (3.0% × 50% = 1.5). Das ist der Normalbereich — die meisten Matches mit Bewegung landen hier.
Klarer Trend. Der Markt bewegt sich deutlich und konsistent in eine Richtung. Hier stimmen sowohl die Größe der Bewegung als auch die Qualität des Weges. Pro Spieltag gibt es typischerweise 2–3 Outcomes in diesem Bereich.
Stärkstes Signal. Große Bewegung und fast monotoner Verlauf über Tage. Selten — in einem typischen Spieltag vielleicht 1–2 Outcomes. Hier hat der Markt über einen längeren Zeitraum ohne Unterbrechung in eine Richtung korrigiert. Das ist kein Zufall.
Beispiel 1 — Starker Trend (Score 3.8)
SC Freiburg – Bayer Leverkusen, Auswärts-Sieg (Leverkusen).
Bundesliga Spieltag 25, Daten vom 24.02. bis 04.03.2026.
18 Buchmacher, 3552 Datenpunkte über 8 Tage.
Schritt 1 — Bewegung messen (Theil-Sen)
Der Theil-Sen-Schätzer berechnet die Steigung zwischen allen möglichen Paaren von 6-Stunden-Fenstern und nimmt den Median. Ergebnis: eine robuste Bewegung von −4.2 Prozentpunkten. Eventuelle Settling-Schwankungen am Anfang fließen nicht ein — der Median ignoriert diese Ausreißer.
Schritt 2 — Konsistenz prüfen
Die 8 Tage werden in 33 Fenster à 6 Stunden geteilt. Pro Fenster wird der Markt-Durchschnitt berechnet:
Fast durchgehend fallend. Nur minimale Rücksetzer (43.3 → 43.4). Der Markt hat sich 8 Tage lang stetig in eine Richtung bewegt.
Schritt 3 — Score
Große Bewegung, sauberer Weg. Das ist ein echter Markttrend.
Beispiel 2 — Warum Bewegung allein nicht reicht (Score 0.6)
FC St. Pauli – Eintracht Frankfurt, Auswärts-Sieg (Frankfurt).
Gleicher Spieltag, gleicher Zeitraum, 18 Buchmacher.
Schritt 1 — Bewegung messen (Theil-Sen)
Auf den ersten Blick: solide Bewegung. Quote fällt, Frankfurt wird wahrscheinlicher. 2 Prozentpunkte ist nicht wenig.
Schritt 2 — Konsistenz prüfen
Die ersten 24 Fenster pendeln zwischen 36.3% und 36.8%. Das ist Seitwärtsbewegung — nur 0.5pp Schwankung. Dann plötzlich am 02.03. ein Sprung auf 37.5%, hoch auf 38.2%, und sofort wieder zurück auf 37.4%.
Schritt 3 — Score
Die Bewegung von 2pp sieht auf dem Papier solide aus. Aber der Weg dorthin war kein Trend — es war ein Sprung nach 8 Tagen Seitwärts, der sich sofort teilweise korrigiert hat. Wahrscheinlich eine kurzfristige News, kein nachhaltiger Markttrend.
Vergleich
Bewegung: −4.2%
Konsistenz: 91%
Sauberer Abstieg über 8 Tage. Echter Trend.
Bewegung: +2.0%
Konsistenz: 33%
8 Tage Seitwärts, dann ein Sprung. Kein Trend.
Der multiplikative Score bestraft inkonsistente Bewegungen. 2pp klingt nach was — aber × 33% Konsistenz und es ist Rauschen. 4.2pp mit 91% Konsistenz ist das echte Signal.